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Jahrbuch

der

Königlich Preussischen geologischen La.ndesansta.lt und Bergakademie

zu

Berlin

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<nrt-

1888.

Berlin.

In Commission bei der Simon SciiKOPP’schen Hof-Landkartenhandlung

(J. H. Neumann).

1884.

2! UZ

I n li a 1 t.

i.

Mittheilungen aus der Anstalt.

Seite

] . Bericht über die Thätigkeit der Königl. geologischen Landesanstalt im

Jahre 1883 vn

2. Arbeitsplan für die geologische Landesaufnahme im Jahre 1884 ... xv

3. Mittheilungen der Mitarbeiter der Königlichen geologischen Landesanstalt

über Ergebnisse der Aufnahmen im Jahre 1883 xxi

4. Personal- Nachrichten lxxiii

II.

Abhandlungen von Mitarbeitern der Königl. geologischen Landesanstalt.

Die Orthocerasschiefer zwischen Balduinstein und Laurenburg an der Lahn.

Von Herrn Emanuel Kayser in Berlin. (Tafel I VI.) 1

Das Liasvorkommen bei Eichenberg in Hessen in Beziehung auf allgemeine Verhältnisse des Gebirgsbaues im Nordwesten des Thüringer Waldes.

Von Herrn F. Moesta in Marburg. (Tafel VII X.) 57

Beitrag zur Culm-Flora von Thüringen. Von Herrn Ernst Weiss in Berlin.

(Tafel XI -XV.) ' 81

Beiträge zur Kenntniss der Cephalopoden aus Silurgeschieben der Provinz Ost - Preussen. Von Herrn Fritz Noetling in Königsberg in Pr.

(Tafel XVI -XVIII.) 101

Ueber Echinosphärites und einige andere organische Reste aus dem Unter- silur Thüringens. Von Herrn H. Loretz in Berlin 136

Vergleichende Beobachtungen an isländischen Gletscher- und norddeutschen Diluvial -Ablagerungen. Von Herrn Konrad Keilhack in Berlin.

(Tafel XIX.) 159

Basaltische Gesteine aus dem Grabfeld und aus der südöstlichen Rhön.

Von Herrn H. Proescholdt in Meiningen 177

Ueber geologische Verhältnisse, welche mit der Emporhebung des Harzes

in Verbindung stehen. Von Herrn A. von Koenen in Göttingen . . 187

Beitrag zur Kenntniss des Keupers im Grabfeld. Von Herrn H. Proescholdt

in Meiningen 199

Petrographische Beiträge aus dem nördlichen Thüringer Walde. Von Herrn

E. Weiss in Berlin. (Tafel XX.) 1 213

a

Seite

Die südliche Verbreitungsgrenze des Oberen Geschiebemergels und deren Beziehung zu dem Vorkommen der Seen und des Lösses in Nord- deutschland. Von Herrn F. Klockmann in Berlin 238

Die Wachsenburg bei Arnstadt in Thüringen und ihre Umgebung. Von

Herrn E. E. Schmid in Jena. (Tafel XXI.) 267

Das Diluvium und seine Süsswasserbecken im nordöstlichen Theile der

Provinz Hannover. Von Herrn E. Läufer in Berlin 310

Ueber gemengtes Diluvium und diluviale Flussschotter im norddeutschen

Flachlande. Von Herrn F. Klockmann in Berlin 330

Ueber Chirotherium - Sandstein und die carneolführenden Schichten des

Buntsandsteins. Von Herrn W. Frantzen in Meiningen 347

Von Eisenach nach Thal und Wutha. Von Herrn J. G. Bornemann in

Eisenach. (Tafel XXII - XXVII.) 383

Beitrag zur Kenntniss der Diabas-Mandelsteine. Von Herrn E. Dathe in

Berlin (4 Zinkographien.) 410

Ueber Aufschlüsse älterer, nicht quartärer Schichten in der Gegend von Demmin und Treptow in Vorpommern. Von Herrn M. Scholz in

Greifswald 449

Ueber die Trias -Mulde zwischen dem Hunsrück und Eifel- Devon. Von

Herrn H. Grebe in Trier. (Mit einer Uebersichtskarte. Tafel XXVIII.) 462 Ueber die Anforderungen der Geologie an die petrographische Systematik.

Von Herrn K. A. Lossen in Berlin 486

Aus dem Gneissgebiet des Eulengebirges. Von Herrn F. M. Stapff in

Weissensee 514

Alluvial- und Diluvialbil dangen im Schlesischen Eulengebirge. Von Dem- selben 535

Das Profil der Eisenbahn Konitz-Tuchel-Laskowitz. Von Herrn A. Jentzsch

in Königsberg i. Pr 550

Ueber die Lagerung, petrographische Beschaffenheit und Gewinnung des

Unteren Diluvialmergels in Hannover. Von Herrn E. Läufer in Berlin 594 Der Deckthon und die thonigen Bildungen des unteren Diluviums um Heilsberg. Von Herrn Richarp Klebs in Königsberg. (4 Zinko- graphien.) 598

Studien an metamorphischen Eruptiv- und Sedimentgesteinen, erläutert an mikroskopischen Bildern. Von Herrn K. A. Lossen in Berlin.

(Tafel XXIX.) 619

Die märkisch- pommersche Braunkohlenformation und ihr Alter im Lichte

der neueren Tief bohrungen. Von Herrn G. Berendt in Berlin. (Auszug.) 643 Zechstein -Versteinerungen aus clem Bohrloche in Purmallen bei Memel. Nachtrag zu »Neuere Tief bohrungen in Ost- und Westpreussen«. Von Herrn G. Berendt in Berlin 652

I.

Mittheilungen aus der Anstalt.

1.

Bericht über die Thätigkeit der Königlichen geologischen Landesanstalt im Jahre 1883.

I. Die Aufnahmen im Gebärgslatide.

Im Mittelharz wurde von dem Landesgeologen Professor Dr. Lossen die Kartirung des alten Gebirges auf den Blättern Elbingerode und Blankenburg (G. A. 56 ; 15 und 16) ]) fortgesetzt.

Sekretär Halfar setzte seine Aufnahmen im Gebiete des Devon und Culm nordwestlich des Granethaies auf Blatt Zellerfeld (G. A. 56; 7) fort und suchte einen Anschluss an die westlich angrenzende Section Seesen (G. A. 55 ; 12) herzustellen.

Am nördlichen Fusse des Harzgebirges begann der Landesgeologe Dr. Branco die Aufnahme des im Gebiete der jüngeren Formationen liegenden Blattes Vienenburg (G. A. 56; 2) und vollendete dieselbe zum grössten Theile.

Professor Dr. Dames setzte die Bearbeitung der Blätter Blankenburg und Derenburg fort (G. A. 56; 16, 10).

In dem Gebiete westlich des Harzes setzte Professor Dr. von Koenen die von Dr. Speyer bereits begonnene Aufnahme des Blattes Gandersheim (G. A. 55; 11) fort und bearbeitete einen Theil des Blattes Göttingen (G. A. 55; 28).

Im nördlichen Thüringen war der Landesgeologe Dr. 2. Moesta mit einer nochmaligen Begehung des Kyffhäusergebirges behufs Fertigstellung der Erläuterungen zu der betreffenden

Der Harz.

Thüringen.

1) G. A. 56; 15 und 16 = Gradabtheilung 56, Section 15 und 16.

VIII

Kartenlieferung und zu den von ihm entworfenen beiden Profilen durch dieses Gebirge beschäftigt.

Professor Dr. von Fritsch setzte die Revision seiner Auf- nahmen der Blätter südlich von Halle fort.

Ingenieur W. Frantzen führte eine genaue Revision des durch Professor Dr. von Seebacii bearbeiteten Blattes Creuzburg (G. A. 55; 60) aus und stellte den Anschluss der geognostischen Grenzen auf Section Treffurt (G. A. 55; 54) mit denjenigen auf dem westlichen Nachbarblatt Eschwege her.

I111 mittleren Thüringen lieferte Geheimer Hofrath Prof. Dr. E. E. Schmid einige geologische Nachträge zur 2. Auflage der Section Jena (G. A. 71; 2), vollendete die Aufnahmen auf den Blättern Dietendorf und Stadt lim (G. A. 70; 4 und 17), revidirte diejenigen auf Section Arnstadt und Plaue (G. A. 70; 10 und 16) und setzte die Kartirung des Blattes Crawinkel (G. A. 70; 15) fort.

Professor Dr. Bauer führte die Bearbeitung der Section Ohrdruf (G. A. 70; 9) dem Abschlüsse nahe und nahm Revisionen im Gebiete des Blattes Gotha (G. A. 70; 3) vor.

I111 Thüringer Walde setzte der Landesgeologe Professor Dr. WEISS seine Aufnahmen auf den Blättern Brotterode und Friedrichsroda (G. A. 70; 7 und s) fort und bearbeitete auf ersterem die Umgegend von Ruhla. Ausserdem führte er auf den Sectionen Eisenach, Salzungen und Wutha (G. A. 69; 6 und 12; 70; 1) die vorläufig erforderlichen Anschlüsse der geognostischen Grenzen an diejenigen auf Blatt Brotterode aus.

Professor Dr. von Fritsch vollendete die Kartirung des ihm überwiesenen Theiles von Blatt Tambach (G. A. 70; 14) und nahm eine Schlussrevision der Section Suhl (G. A. 70; 21) vor.

Geheimer Hofrath Professor Dr. Schmid brachte Section Ilmenau (G. A. 70; 22) zum Abschlüsse.

Ingenieur W. Frantzen führte die geologische Aufnahme des Brandleite -Tunnels bei Gehlberg zu Ende.

Dr. Proescholdt vollendete das Blatt Themar (G. A. 70; 26) bis auf eine Schlussrevision seiner östlichen Grenze, sowie den ihm überwiesenen Antheil von Blatt Schwarza (G. A. 70; 20),

IX

stellte Blatt Rentwertshausen (G. A. 70; 3i) bis auf die Schluss- revision einzelner Theile fertig und begann die Bearbeitung des Blattes Römhild (G. A. 70; 38), sowie der Blätter Sondheim und Ostheim (G. A. 69; 35 und 36) innerhalb der Sachsen -Weimar- scheu Enclave.

Im südlichen und südöstlichen Thüringen bearbeitete Bergreferendar Dr. Beysciilag den Meiningen’schen Antheil der Blätter Rieth und Heldburg westlich von Coburg (G. A. 70; 44 u. 45).

Landesgeologe Dr. Loretz führte seine Aufnahmen auf den Blättern Masserberg, Gr. Breitenbach und Gräfenthal (G. A. 70;

28, 29 und 30) dem Abschlüsse nahe und setzte diejenigen auf Section Coburg (G. A. 70; 46) fort.

Professor Dr. Liebe unterzog die bereits von anderer Seite ausgeführten Aufnahmen der Blätter Saalfeld und Ziegenrück (G. A. 7 1 ; 19 und 20) einer genauen Revision und setzte unter Beihilfe des Dr. Zimmermann die Kartirung auf den Blättern Naitschau, Greiz, Probstzella (letztere zusammen mit Dr. Loretz) und Schönbach, sowie insbesondere auf dem südlicher gelegenen Blatte Hirschberg fort (G. A. 71 ; 23, 24, 25, 29 und 33).

Dr. Zimmermann nahm auf Blatt Liebengrün (G. A. 71; 26) die östliche Hälfte auf und führte auf Blatt Saalfeld im Buntsand- stein und Muschelkalk des »Hohen Kulm« eine revidirende Ex- cursion aus.

Im R egieru ngs bezirk Cassel setzte der Landesgeologe 3. Die Provinz I)r. Moesta die Arbeiten für die Blätter Altmorschen und He5,sen Nassau' Seifertshausen (G. A. 55; 56, 57) weiter fort und begann mit der Zusammenstellung: der Erläuterungen zum Blatte Aliendorf.

Im R egierungsbe zirk Wiesbaden führte der Landes- geologe Professor Dr. Kayser ^ine Begehung und z. Th. Schluss- revision im Gebiete der von dem verstorbenen Landesgeologen Dr. Koch aufgenommenen Sectionen Limburg, Eisenbach, Ketten- bach, Idstein und Feldberg (G. A. 67; 41, 42, 47 und 48; 68; 43) aus behufs Abfassung der erläuternden Texte zu denselben. So- dann setzte er die Aufnahmen auf Blatt Schaumburg (G. A. 67 ; 40) weiter fort unter gleichzeitiger Vornahme von Informationstouren auf den anstossenden Blättern Ems und Rettert (G. A. 67; 39

X

und 46) sowie auch auf dem von Dr. Angelbis bearbeiteten Blatte Montabaur (G. A. 67 ; 33).

Dr. Angelbis führte die Kartirung des Blattes Girod (G. A. 67 ; 34) dem Abschluss nahe und begann die Untersuchung des Blattes Hadamar (G. A. 67 ; 35).

4. Die Rhein- Behufs Veröffentlichung der Sectionen des Nahegebietes wurden

1 die Eruptivgesteine zwischen der Saar und dem unteren Nahethale

von den Landesgeologen Professor Dr. Lossen und H. Grebe einer gemeinschaftlichen vergleichenden Studie unterzogen. Ferner war letzterer au der Fertigstellung des Blattes Malberg (Kyllburg) G. A. 66 ; 56) thätig und begann die Aufnahmen auf den Blättern Neuerburg, Mettendorf und Waxweiler (G. A. 65; 60, 79 ; 6 und 66 ; 55).

5. Die Provinz Im Eulen gebirge setzte Dr. Dathe seine aus dem Gebiete

des Gneisses bis in das Mittel-Rothliegende reichenden Aufnahmen jener Gegend auf Blatt Neurode (G. A. 76; 26) fort und begann dieselben auf dem östlich angrenzenden Blatte Frankenstein (G. A. 76; 27).

Dr. Stapfe kartirte auf Blatt Schweidnitz (G. A. 76; 7) die krystallinischen Gesteine und das Diluvium an deren östlichem Rande, nahm den aus Gneiss, Carbon und Quartärbildungen etc. zusammengesetzten südwestlichen Theil des Blattes Charlottenbrunn (G. A. 76; l.s) auf und begann die Untersuchungen auf der südlich angrenzenden Section Rudolphswaldau (G. A. 76; 19).

II. Die Aufnahmen im Flachlande

mit besonderer Berücksichtigung der agronomischen

V erhältnis se.

1. Im Arbeitsgebiete westlich der Elbe

vollendete Professor Dr. Scholz zunächst die Aufnahme des Blattes Gardelegen (G. A. 43; 25). Alsdann setzte derselbe die Aufnahme des Blattes Stendal (G. A. 43; 22) fort und beendete dieselbe.

Professor Dr. Grüner brachte das begonnene Blatt Tanger- münde (G. A. 43; 28) zum Abschluss und begann die Aufnahme des Blattes Jerichow (G. A. 43; 29).

XI

2. Im Havelläiulisclien Arbeitsgebiete

begann und vollendete Dr. Klockmann nach völligem Abschluss des Blattes Arneburg (Gr. A. 43; 2:s) die Aufnahme des Blattes Schollene (G. A. 43; 24), in dessen weiten Niederungsflächen Culturtechniker Keiper theilweise Hülfe leistete und führte so- dann noch die Aufnahme des Blattes Sandau (G. A. 43; n) zur Hälfte aus.

Dr. Wahnschaffe bearbeitete in dem, die Verbindung mit den bereits veröffentlichten Blättern über die Gegend Berlins bil- denden Gebiete die drei Blätter Rathenow, Haage und Ribbeck (G. A. 44; 19, 20, 21) mit Hülfe des Culturtechuikers Lübeck, sowie zeitweise des Culturtechnikers Keiper. Die Aufnahme des ersteren Blattes wurde fertiggestellt.

3. Im Uckermärkisclien Arbeitsgebiete bewirkte Professor Dr. Berendt neben seinen Inspectionsreisen in die genannten und die folgenden Arbeitsgebiete mit Hülfe des Culturtechnikers Becker die fast vollständige Aufnahme des Blattes Eberswalde (G. A. 45; 9), sowie eines Theils des Blattes Ruhlsdorf (G. A. 45 ; 8).

Dr. Läufer gelang es mit Hülfe des Culturtechnikers Scholz und zeitweise auch des Culturtechnikers Keiper die Blätter Lieben- walde und Zehdenick (G. A. 45; 1, 7) ganz, Klein-Mutz (G. A. 44; 6) zum Theil in der Aufnahme herzustellen.

Dr. Keilhack begann und vollendete die Aufnahme des Blattes Wustrau (G. A. 44; 10).

4. In Westpreussen

führte Dr. Jentzsch die Aufnahme des Blattes Rehhof (G. A. 33 ; 10) zu Ende und setzte diejenige des Blattes Mewe (G. A. 33; 9) fort. Zwischendurch führte derselbe eine Begehung einiger neuer Eisenbahnstrecken aus.

Dr. Ebert begann die Aufnahme des Blattes Garnsee (G. A. 33; 22).

XII

5. In Ostpreussen

führte Dr. Klebs die Aufnahme des im Vorjahre begonnenen Blattes Heilsberg (G. A. 18; so) , sowie eine Begehung mehrerer neuer Eisenbahnstrecken aus.

Dr. Schröder begann im Späthherbste die Aufnahme des Blattes Krekollen (G. A. 18; 5i).

Dr. Noetling nahm die Kartirung des Blattes Bischofstein (G. A. 18; 58) in Angriff.

Stand der Publikationen.

Im Laufe des J ahres sind zur Publikation fertig gestellt worden :

1. Lieferung XXII, enthaltend die geologisch- agronomisch bearbeiteten Messtischblätter Ketzin, Fahrland, Potsdam, Werder, Wil- denbruch imd Beelitz der Umgegend Berlins 6 Blätter.

2. Lieferung XXIV, enthaltend die Blätter

Tennstedt, Gebesee, Gräfentonna und Andis- leben 4 »

3. Lieferung XXV, enthaltend die Blätter

Mühlhausen, Körner und Ebeleben ... 3 »

4. Lieferung XXVI, enthaltend die Blätter Mittenwalde, Friedersdorf, Alt-ITartmanns- dorf, Cöpenick, Königs -Wusterhausen und

Rüdersdorf der Umgegend Berlins ... 6 »

zusammen 19 Blätter.

Es waren vorher publicirt 109 »

Mithin sind im Ganzen publicirt . . . .128 Blätter.

Weiter gelangten folgende Abhandlungen und sonstige Ar- beiten zur Vollendung:

1. Abhandlungen, Band IV, Heft 3: Beiträge zur Kenntniss der Tertiärflora der Provinz Sachsen von Dr. P. Friedrich. 305 S. Text mit 2 Holzschnitten, 1 Uebersichtskarte und 31 Lichtdrucktafeln.

2. Abhandlungen, Band V, Heft 1 : Die geologischen Verhält- nisse der Stadt Hildesheim von Dr. H. Roemer. 85 S. Text nebst 1 Karte.

XIII

3. Jahrbuch der Königlich Preussischen geologischen Landes-

O O o

anstalt und Bergakademie für 1882. LIII und 692 S. Text und 23 Tafeln

Nach dem Berichte für das Vorjahr betrug der im Handel debitirten Kartenblätter .

die Gesammtzahl 1 2 305 Blätter.

Debit der Publikationen.

Im Jahre 1883 wurden verkauft:

von

Lieferung I, Gegend von Nordhausen

13

»

» II, »

» Jena . . . .

26

»

» III, »

» Bleicherode

9

»

» IV, »

» Erfurt . . . .

22

» V, »

» Halle . . . .

17

»

VI, »

» Saarbrücken

I. Theil . .

35

»

» VII, »

» II. » . .

45

»

» VIII, »

» Blechelsdorf .

22

»

» X, »

» Saarburg

27

»

» XI,

» Berlin Nordwesten

(Nauen etc.) .

21

» XII, »

» Naumburg a. S. .

53

»

» XIII, »

» Gera

13

»

» XIV, »

» Berlin Nordwesten

(Oranienburg) .

18

»

» XV, »

» Wiesbaden

84

»

» XVII, »

» Ti'iptis, Neustadt

8

»

» XIX, »

» Querfurt . . .

18

»

» XX,

» Berlin Süden,

(Teltow etc.) .

43

»

» XXI, »

» Frankfurt a. M. .

329

»

» XXII, »

>> Berlin Südwesten

(Potsdam etc.) 354

»

» XXIV, »

» Tennstedt .

217

»

» XXV, »

» Mühlhausen .

144

»

» XXVI, »

» Berlin Südosten

(Cöpeniclc etc.) 322

Bl.

»

»

»

»

»

»

»

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»

»

- 1840

so dass im Ganzen durch den Verkauf debitirt sind: 14145 Blätter.

XIV

Von den sonstigen Publikationen sind durch den Verkauf

debitirt worden:

Abhandlungen.

Band I, Heft 1. (Eck, Rüdersdorf) 3 Exempl.

» » »2. (Schmid, Thür. Keuper) .... 3 »

» » » 3. (Laspeyres, Rothliegendes bei Halle) 4 »

» » » 4. (Meyn, Insel Sylt) 7 »

Band II, » 1. (Weiss, Steinkohlen-Calamarien) . . 5 »

» » »2. (Orth, Rüdersdorf) 8 »

» » » 3. (Berendt, Nordwesten Berlins) 10 »

» » » 4. (Kayser, Devonfauna des Harzes) . 6 »

Band III, » 1. (Weiss, Flora von Wünschendorf) . 2 »

» » » 2. (Läufer und Wahnschaffe, Boden- untersuchung) 2 »

» » » 3. (Meyn, Schleswig-Holstein) ... 1 »

Band IV, » 1. (Schlüter, Echiniden) 62 »

» » »2. (C. Koch, Homalonoten) .... 55 »

Band V, » 1. (H. Roemer, Hildesheim) . . . .210 »

F erner :

Jahrbuch für 1880

» » 1881

» »1882

Weiss, Flora der Steinkohlenformation . . .

Geologische Uebersic.htskarte des Harzgebirges Höhenschichtenkarte des Harzgebirges

5 Exempl. 2 48 5 69 1 1

XV

2.

Arbeitsplan

für die geologische Landesaufnahme im Jahre 1884.

I. Harz.

Im Mittelharze wird Landesgeologe Professor Dr. Lossen die Kartirung des alten Harzgebirges auf Section Blankenburg zu vollenden suchen und die Darstellung der ausserhalb der Elbinge- roder Mulde aufsetzenden Eruptivgesteine revidiren. Ausserdem wird derselbe die Arbeiten im Brockengebiete auf den Sectionen Elbingerode, Wernigerode und Harzburg fortsetzen.

Bergreferendar Koch wird bei der Untersuchung und Kartirung der Eruptivgesteine in den Sectionen Elbingerode, Wernigerode und Blankenburg Hülfe leisten.

Im Westharze wird Bergrath Dr. von Groddeck die Revision seiner früheren Aufnahmen auf der Grundlage der neuen Mess- tischblätter fortsetzen.

Sekretär Halfar wird die Ai’beiten in den ihm übertragenen Theilen der Sectionen Zellerfeld und Goslar zum Abschluss bringen.

Am Nordrande des Harzes wird Landesgeologe Dr. Branco die Kartirung des nicht paläozoischen Theiles der Sectionen Goslar, Harzburg und Wernigerode weiterführen und eine Schlussrevision

O O

des Blattes Vienenburg bewerkstelligen.

o o

Innerhalb derselben Blätter wird Dr. Läufer die Lagerungs- verhältnisse der Diluvialbildungen zum Gegenstände einer be- sonderen Untersuchung machen.

XVI

Professor Dr. Dames wird die Aufnahme der Section Deren- burg fortsetzen.

Westlich des Harzes wird Professor Dr. von Koenen die Bearbeitung der Sectionen Gandersheim und Westerhof und ausserdem diejenige der Sectionen über die Umgebung Göttingen’s weiterführen.

2. Im nördlichen Thüringen

wird Professor Dr. von Fritsch die Revision der Sectionen Halle, Gröbers, Kölsa, Merseburg, Kötschau, W eissenfeis und Lützen fortsetzen.

Dr. Bornemann wird die Aufnahme der Section Wutha mit Ausschluss des alten Gebirges fertigstellen.

Professor Dr. Bauer wird in der Section Ohrdruf die Glie- derung des Diluviums vollenden und die Regulirung der Grenzen gegen die anstossenden Sectionen zu Ende führen.

Ingenieur Frantzen wird die Revision der Section Kreuzburg und den Versuch einer Gliederung des unteren Muschelkalks in der Section Berka fortsetzen.

3. Im Thüringer Wald und südlich desselben

wird Professor Dr. Weiss die Aufnahme der Section Brotterode vollenden und innerhalb der Section Wutha den anstossenden südlichen Theil, soweit das alte Gebirge sich erstreckt, untersuchen und kartiren.

Professor Dr. von Fritsch wird die Revision der von ihm bearbeiteten Sectionen Suhl und Schleusingen fertigstellen.

Professor Dr. Bücking wird innerhalb der Section Tambach das von der Strasse von Schnellbach nach Steinbach - Hallenberg gegen Südwesten liegende Gebiet bearbeiten und innerhalb der Section Schwarza die Kartirung des nördlichen Theiles des Ge- bietes westlich des Schwarza -Thaies fertigstellen.

Dr. Proescholdt wird die Aufnahme der Sectionen Ostheim und Römliild fortsetzen und innerhalb der Section Schwarza den südlichen Theil des Gebietes westlich des Schwarza- Thaies an-

XVII

schliessend an die dortigen Arbeiten des Professors Dr. Bücking kartiren.

Geheimer Hofrath Professor Dr. Sciimid wird die Aufnahme der Section Crawinkel vollenden.

Landesgeologe Dr. Loretz wird die Kartirung im Bereiche des alten Schiefergebirges und des Rothliegenden in den Sectionen Grafenthal , Gr. Breitenbach und Masserberg fortsetzen und zu Beginn und gegen Ende der Aufnahmezeit auch die Kartirung im

o o o o

Bereich der jüngeren Formationen in den Sectionen Steinach, Oeslau und Coburg weiter führen. Derselbe wird die Darstellung des Grenzgebietes der Sectionen Masserberg und Ilmenau in Ge- meinschaft mit Herrn Geheimen Hofrath Professor Dr. Schmid bearbeiten.

Professor Dr. Liebe wird unter Hülfeleistung des Dr. Zimmermann die Neuaufnahme der Section Liebengrün, und die Revision der Sectionen Saalfeld und Ziegenrück vollenden, sowie die Kartirung der Sectionen Hirschberg , Lobenstein , Greiz, Naitschau und Schönberg weiterführen.

Bergreferendar Dr. Beyschlag wird die Aufnahme der Section Rodach fortsetzen.

4. ln der Provinz Hessen -Nassau

wird Bergreferendar Dr. Beyschlag die von Dr. Moesta in der geologischen Bearbeitung vollendeten Sectionen Ermschwerd, Witzenhausen, Grossalmerode und Aliendorf behufs der Bearbeitung der erläuternden Texte begehen.

Professor Dr. Bücking wird die Aufnahme der Section Kella fortsetzen.

Professor Dr. Bauer wird die Aufnahme der Section Tann weiterführen.

Professor Dr. Kayser wird die Section Schaumburg zum Abschlüsse bringen und die Aufnahme der Sectionen Ems und Rettert in Angriff nehmen.

Behufs der Untersuchung der Altersverhältnisse im Gebiete des Unterdevon im Westerwalde und im Siegeu’schen wird der- selbe eine Bereisung der von Dr. Angelbis bearbeiteten Wester-

b

XVIII

wald-Sectiouen in Gemeinschaft mit diesem vornehmen und eine Orientirungsreise in’s Siegen’sche ausführen.

Dr. Angelbis wird die Section Hadamar zum Abschluss bringen und eine Schlussrevision der von ihm bisher kartirten Blätter behufs der Veröffentlichung ausführen.

5. Sn der fRiieinprovinz

wird Landesgeologe Grebe die Aufnahme der Section Mander- scheid beginnen.

Derselbe wird in Gemeinschaft mit Professor Dr. Lossen eine erneute Untersuchung der Eruptivgesteine des Rothliegenden im Nahegebiet vornehmen und im Anschluss hieran in Gemein- schaft mit Professor Dr. Kayser die Unterdevonbild un^en des südlichen und westlichen Theils des Hunsrücks einer vergleichenden Untersuchung unterziehen.

6. Sn der Provinz Schlesien

wird Dr. Datiie zunächst in der Nordostecke der Section Rudolfs- waldau den Anschluss seiner Aufnahmen an diejenigen des Dr. Stapfe in dem nördlichen Theile dieser Section herstellen. Da- nach wird derselbe seine Untersuchungen in dem nördlichen Theile der Section Laugenbielau gegen den Nordostrand des Eulengebirges hin erstrecken , um die Zusammensetzung des Gneisses nordöstlich der Hornblendegesteinszone genauer fest- zustellen.

Dr. Stapff wird die Aufnahme der Section Charlottenbrunn weiterführen.

7. Sm Äufnahmegebiet des Flachlandes.

a) In dem Havelländischen Arbeitsgebiet

wird Dr. Wahnschaffe unter Hülfeleistung des Culturtechnikers Lübeck und des neu in die Arbeiten einzuführenden Cultur- technikers Woelfer die begonnene Section Haage beenden, so- dann auf Grund der vor Beginn der Aufnahmen durch den Cultur- techniker Lübeck hergestellten Copien der betreffenden Kataster-

XIX

karten die Section Tremmen (Gr. Belmitz) und schliesslich die Section Kibbeck bearbeiten.

Dr. Klockmann wird mit zeitweiser Hülfeleistung des Cultur- technikers Keiper die begonnene Section Sandau beenden, dem- nächst die Aufnahme der Section Strodehne betreiben und ge- eigneten Falls auf Blatt Rhinow übergehen.

Professor Dr. Scholz wird nach Vollendung der Section Hindenburg mit zeitweiser Unterstützung durch den Culturtech- niker Keiper die Aufnahme der Section Vieritz ausführen.

Professor Dr. Grüner wird die eben begonnene Section Jerichow zu vollenden suchen.

b) In dem Uckermärkischen Arbeitsgebiet wird Professor Dr. Berendt neben den verschiedenen Inspektions- reisen in sämmtliche Aufnahmegebiete des Flachlandes mit Hülfe des Culturtechnikers Becker die Section Eberswalde (geeigneten Falls auch Ruhlsdorf) vollenden und die Aufnahme der Section Joachi mstlial ausführen.

Dr. Läufer wird mit Hülfe des Culturtechnikers Scholz nach Vollendung der Section Kl. -Mutz die Aufnahme der Section Nassenheide ausführen.

Dr. Keilhack wird zunächst die Aufnahme der Section Lindow ausführen und demnächst mit Hülfe des neu in die Arbeiten einzuführenden Culturtechnikers Baldus diejenige der Sectionen Gr. -Mutz und Beetz beginnen.

c) In Westpreussen

wird Dr. Jentzsch die Section Mewe zum völligen Abschluss bringen und sodann die Aufnahme der Section Münsterwalde, über deren NO. -Ecke bereits Aufnahmen vorliegen, ausführen.

Dr. Ebert wird die begonnene Aufnahme der Section Garnsee zu Ende führen und demnächst auf Section Neuenburg: übergehen.

d) In Ostpreussen

wird Dr. Ivlebs die Sectionen Gr.-Teisten und Bartenstein in Angriff nehmen.

b*

XX

Dr. Schröder wird die Aufnahme der begonnenen Section Krekollen zu Ende führen und demnächst auf Section Siegfrieds- walde übergehen.

Dr. Noetling wird die Aufnahme des begonnenen Blattes Bischofstein fortsetzen und möglichst zu Ende führen.

Ausserdem wird Dr. Läufer bei Beginn der Aufnahmeperiode eine Bereisung des nördlichen Theiles der Provinz Hannover behufs der Aufsuchung von Mergellagern ausführen.

o o o

XXI

3.

Mittheilungeii

der Mitarbeiter der Königlichen geologischen Landesänstalt über Ergebnisse der Aufnahmen im

Jahre 1883.

Mittheilung des Herrn K. A. Lossen über eine gemeinsam mit Herrn H. Grebe im Sommer 1883 unternommene geolo- gische Untersuchung des sogenannten Eruptiv- Grenz- lagers im Ober-Rothliegenden zwischen Kirn und Ober- stein an der Nahe und St. Wendel an der Blies.

Die im zweiten Bande dieses Jahrbuchs von Herrn Grebe gegebene Darstellung der geologischen Gliederung des Oberrotli- liegenden zwischen der Saar und dem Glan konnte durch das einseitige Betonen basaltischer Melaphyre und ihrer Mandelsteine in dem Grenzlager leicht den Eindruck hervorrufen, als ob in jener Gegend saurere Eruptivgesteine porphyritischer Natur fehlten und Quarzporphyr und Melaphyr unvermittelt vorkämen. Dem standen indessen die von Herrn E. Weiss herrührenden, in J. Roth’s Beiträgen zur Petrographie der plutonischen Gesteine veröffent- lichten Resultate der Untersuchungen über die porphyritischen Gesteine der Horst bei Bettingen an der Prims, ganz im Westen des fraglichen Gebietes, entgegen; auch liessen die Untersuchungen der Herren Laspeyres und Streng über die saureren, zum Theil ganz ausgeprägt porphyritischen Grenzlager-Gesteine an der Unter- nahe, im Osten des Gebietes, erwarten, die Mittelregion, in der das Grenzlager seine ausgedehnteste räumliche Verbreitung zeigt, werde diese Gesteinstypen auch nicht ganz vermissen lassen, und dies um so weniger, als auch die mikroskopischen Diagnosen,

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welche H. Rosenbusch’s Physiographie der massigen Gesteine in reicher Fülle aus jener Eruptivformation mitgetheilt hat, dem Orts- kundigen weitere Beweise dafür an die Hand gab.

Die einschlägigen Sammlungen der geologischen Landesanstalt, die von II. Laspeyres, E. Weiss, F. Rolle, II. Grebe her- stammen, gestatteten eine vorläufige Orientirung und unterstützten wesentlich die Vorbereitung aus der Literatur, die sich auch auf die Eruptivgesteine im Unterrothliegenden und in der Steinkohlen- formation erstreckte.

Da es nicht möglich war, in der zugemessenen Zeit die ganze geographische Ausdehnung des Grenzlagers zum Gegenstand ein- gehender Untersuchung zu machen, so musste die Umgebung von Baumholder vorläufig unbesucht bleiben; die Hauptbasis der Schritt für Schritt mit Hämmer und Lupe ausgeführten Durchmusterung bildete das trefflich aufgeschlossene Eisenbahnprofil von St. Wendel, beziehungsweise Namborn bei St. Wendel bis nach Oberstein und eine quer dagegen gerichtete Untersuchungstour von Oberkirchen (Weiselberg) über Freisen, Berglangenbach nach Heimbach und von Aulenbach über Reichenbach, Kronweiler nach Niederbrom- bach. Ein Blick auf die Weiss - LASPEYREs’sche prognostische Uebersiclitskarte des kohlenführenden Saar -Rhein -Gebietes lehrt, dass der an letzter Stelle angegebene Weg von Oberkirchen her aus deu Lebacher Schichten (Mittelrothliegeudes Weiss, Oberes Unterrothliegendes Grebe), als dem Liegenden des Oberrotli- liegenden, in das Grenzlager eintritt und bei Niederbrombach wieder in die Lebacher Schichten herausführt; das Eisenbalm- profil schneidet dagegen umgekehrt da, wo es zwischen Oberstein und Nohbollenbach das Grenzlager verlässt, in hängendere Sedi- mentschichten (Obere Söterner Schichten Grebe’s) ein, die sich liier in die Eruptivdecke (: nappe ) einmulden, und denselben hän- genderen Schichten begegnet man auf der entgegengesetzten Seite, wo dieselben als eine kleine Mulde in der Umgebung von Heister- berg längs der Eisenbahn zwischen Wallhausen und Namborn dem Grenzlager aufruhen.

Indem nun die Eruptivgesteinstypen au der oberen oder hangenden Grenze, wie sie z. B. längs des Bahnhofs und in den

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Burgfelsen von Oberstein, auf dem Tiefert bei Kirn und von da gegen die Einmündung des Beiden- und Dickesbachs in die Nahe hinzu, ebensowohl als südlich Wallhausen, bei Heisterberg, Mosberg, Steinberg u. s. w. anstehen, unter sich wesentlich über- einstimmend gefunden wurden, ergab sich ein Normaltypus der Deck- oder Dachgestein-Zoue im ' Grenzlager, der entweder von dem Oberen Thönstein Grebe’s (z. B. Krebsweiler Thal, Tiefert) oder da, wo dieser fehlt, direct von den Oberen Söterner Schichten überlagert wird.

Untersuchungen dagegen, welche östlich von Burg Birkenfeld gegen den Staffelhof hinzu, östlich von Hoppstädten bis über die Mausemühle hinaus, am Krausberge bei Schmisberg, ferner OSO. von Veitsrotli, sowie im Krebsweiler Thale bei Kirn angestellt wurden, wo überall der Untere Thonstein Grebe’s, sei es als solcher (Gegend von Kirn), sei es als Porphyrconglomerat (Gegend von Birkenfeld) das unmittelbare Liegende des Grenzlagers x) bildet, haben in eben so constanter Weise einen besonderen Gesteinstypus dieser tiefsten oder Sohlgestein -Zone erkennen lassen.

Einen dritten Typus bilden die Gesteine der Mittelzone zwischen Sohl- und Dachgestein, welche die Hauptmassen des Grenzlagers zwischen Kirn und Namborn zusammensetzen und örtlich, da wo das Sohlgestein fehlt, wie bei der Namborner Mühle, direct auf dem Porphyrconglomerat ruhen. Das Eisenbahnprofil zwischen Heimbach unterhalb der Mausemühle und Enzweiler oberhalb Oberstein besteht ausschliesslich aus diesen Gesteinen der Mittelzone, die auch, wenige Stellen abgerechnet, längs des bald über die Plöhen, bald über die Thalsohlen führenden Quer- profils zwischen Freisen und Niederbrombach anstehen; nur bei Berg -Langenbach und Reichenbach auf einer, das Querprofil kreuzenden, Längslinie, welche das bei Oberstein eingemuldete Oberrothliegende der Winterhauch mit der Heisterberger Mulde verbindet, wurde Dachgestein angetroffen. Auch die unbesucht gelassene Gegend von Baumholder scheint nach den Handstücken

x) Das also hier, wie an den übrigen Orten, wo diese zum Oberrothliegenden zählende Conglomerat- oder Thonsteinbildung entwickelt ist, nicht mehr genau auf der Grenze zwischen Mittel- und Oberrotkliegendem lagert.

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der Sammlung und nach den Diagnosen des RoSENBUSCH’schen Werks vorzüglich der Mittelzone anzugehören.

Diese Beobachtungen bestätigen also die bereits von Laspeyres ausgesprochene Anschauung, dass das Eruptiv- Grenzlager nicht sowohl einem einzigen deckenförmig ausgebreiteten Ergüsse, als vielmehr mehreren über- einandergeflossenen Lavaformationen entspricht; sie widerlegen aber auch die Befürchtung desselben Autors, als ob der Geolog auf die petrographisch - geologische Gliederung dieser classischen Eruptivformation Ver- zicht leisten müsse.

Die Gesteine der ältesten Ergüsse in der Sohlgestein-Zone waren bereits Herrn Grebe nach ihrer äusseren Erscheinunff auf-

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gefallen und machen einen Theil dessen aus, was derselbe als »basaltischen Melaphyr« auf seinen Messtischblättern vorläufig aus- geschieden hatte. Die dunkel schwärzlichgraue Farbe des noch nicht oxydirten Gesteins und das der Grösse und Zahl nach auffällige Zurücktreten aller porphyrischen Einsprenglinge in die durchaus vorwaltende feinkrystallinische oder in selteneren Fällen ganz dichte Grundmasse erklären die Anwendung jenes Namens, der indessen für andere Gesteinstypen bezeichnender ist, als für das Sohlgestein. Eine aufmerksamere Betrachtung der Grundmasse lässt häufig schon das unbewaffnete Auge eine durch die annähernde Parallellagerung der darin vorwaltenden Feldspathtäfelchen (Plagioklas, vorwaltend von geringer Auslöschungsschiefe, darunter wohl auch etwas Orthoklas) bedingte feinkörnig- schuppige Struktur erkennen, ähnlich jener, welche viele Phonolithe und manche Trachyte (z. B. Kühlsbrunnen im Siebengebirge), aber auch Melaphyr genannte Gesteine, so z. B. ganz ausgezeichnet ein »Melaphyr« vom Forst- berge bei Landeshut in Niederschlesien, zeigen. Auch die plattige Absonderung im Grossen, die dem Phonolith ehedem den Namen »Porphyrschiefer« eingetragen hat, kehrt bei dem Sohlgestein im Gefolge jener charakteristischen, zuweilen mit einer eutaxitischen Flaserung gepaarten Grundmassenstruktur wieder. Typische Feld- spathbasalte besitzen andere Strukturen, indem selbst die sauersten darunter, wie die Gesteine der Löwenburg im Siebengebirge und

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die An desin- haltigen olivinarmen hessischen Anamesite viel mehr zur divergentstrahlig-körnigen Struktur mit krystallinischer Mesostasis (Diabas- oder Ophit - Struktur) oder zu derselben mit Intersertal- Basis (Dolerit- Struktur) neigen. Vergleichbarer sind Zirkel’ s untypische, dem Augit- Andesit strukturell angenäherte Basalte (Dunglass, Heckla-Lava von 1845, Truckee Valley, letztere beide mit 56,68 und 56,53 pCt. Si02); doch ist das Eruptivgestein in der I iecrenden Region des Grenzlagers meist basisärmer und oft geradezu vollkrystallinisch, und Olivin-Kryställchen finden sich nur spärlich zwischen den wenigen, oft knäuelartig verbundenen Ein- sprenglingen darin, während braune oder grüne Hornblende und brauner Glimmer sich hier und da neben dem allermeist ganz in der feldspathmikrolithenreichen Grundmasse versteckten Augit an deren Aufbau betheiligen; Apatit fehlt darin nicht und von Eisen- erzen herrscht Magnetit in zahlreichen mikrolithischen Kryställchen oder Krystallkörnchen in der Hegel über die spärlicheren, aber zuweilen schon mit blossem Auge sichtbaren Titaneisenerztäfelchen vor. Mandelsteinbildung fehlt ganz oder stellt sich erst gegen das Hangende der Sohlgesteinszone ein, wo allmählich der Typus der Mittelzone Platz greift.

IvOSENBUSCH 1) hat das Gestein vom Mausemühl -Tunnel zu der Abtheilung seiner »wirklichen Melaphyre mit mehr oder weniger reichlicher Zwischenklemmungsmasse« gestellt; legt man nicht so einseitiges Gewicht auf die Anwesenheit des auch nach diesem Autor »spärlichen« Olivin, so fühlt man sich eher gedrängt, einen relativ basischen Augit-Porpliyrit darin zu erkennen, entsprechend manchen olivinhaltigen Augit- Andesiten, wie beispielsweise Oebbeke solche von den Philippinen, Kloos solche aus Oregon (Mt. Hood) beschrieben und Marx dergleichen aus Nicaragua analysirt hat (Gesteine mit mehr als ,56 pCt. Si02, während das Solilgestein des Grenzlagers vom Staffelhof bei Burg Birkenfeld 57,73 pCt.., das OSO. von Veitsroth bei Idar 56,92 pCt. Si02 enthalten).

Geht man von der Mausemühle das Eisenbahnprofil die Nahe abwärts, so kommt man schon vor der Station Heimbach in die

*) Massengesteine, S. 400.

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mächtigste und zu Tag am weitesten verbreitete, aus einem Wechsel compacter und porös-mandelsteinartiger Massen zusammengesetzte M ittelzone des Grenzlagers. Im oxydirten Zustande, welcher weitaus vorherrscht und für die Mandelsteine geradezu die Regel bildet, besitzen die typisch porpliyritischen Gesteine dieser Zone meist röth lieh -graue, violett- oder rothbraune, seltener licht fleischrothe Farbe, an deren Stelle im frischeren Zustande Grünlichgrau oder Grau bis Schwärzlichgrau und in glasreichen Gesteinen das Pechschwarz des Weiselberg- Gesteins tritt. Was diese Porphyrite besonders charalcterisirt , sind kleine schm al- uadelförmige säulige Augit- oder Bronzit- Einspreng- linge, die jedoch nur in selteneren Fällen, ausgenommen in den pechsteinartigen Varietäten, frisch glasglänzend, von gelb- bis graugrüner Farbe angetroffen werden. Meistens sind es messing- gelbe Bastit- oder lebhaft bläulichgrüne delessitartige bis schwärzlichgrüne melanolithähnliche Pseudomorphosen *), die als solche weit besser aus der Grundmasse hervortreten, als das uuzersetzte Mineral; nur Kalkspath-Pseudomorphosen, die sich manchmal statt dessen einfinden, rufen das Gegentheil hervor. Die chloritischen Augit -Pseudomorphosen gleichen solchen aus den substanziell mit den Gesteinen der Mittelzone verwandten Augit- Dioriten und Kersantiten oder auch aus den augitführenden Grani- titen und den Keratophyren und weisen durch ihre intensive Färbung, namentlich aber durch ihren deutlichen, aus Bläulich- oder Braungrün und Braun in Gelb übergehenden Pleochroismus auf ihren relativ hohen Eisenoxydgehalt und darüber hinaus auf den Eisenreichthum ihres Mutterminerals hin, das zur Gruppe der Malakolithe oder Fuukite oder eines damit nahe verwandten, ganz licht weingelb oder schwach pleochroitisch grün-röthlich durchsich- tigen monoklinen Augits gehört. Ueberdies zeigen diese Pseudo- morphosen lebhaftere Polarisationsfarben , als sie bei den aus Diabantachronnym oder Subdelessit (Weiss) bestehenden eisen-

1 ) Beide letztere Pseudomorphosen nach Angit oft mit Hornblende ver- wechselt, wie in einem namhaften Antheil der Ilfelder Porphyrite, für welche Girard und Bantsch bereits den Augitgehalt betont hatten, ebenso in einem Tlieil der Gesteine vom Luganer See.

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oxydarmen Chloritpseudomorphosen nach den nelkenbraunen oder ledergelben Augiten im typischen Diabas oder im normalpyroxe- nischen Melaphyr gefunden werden. Neben diesen Einspreng- lingen angitischer Mineralien sind fast ebenso regelmässig solche von oft gruppenweise vereinigten Plagioklasen (Labradorfeldspath nach E. E. Sciimid und Teall) vorhanden und als sehr charakte- ristisch solche von oft rundlich begrenzten dicken Titaneisenerz- täfelchen, alle diese Einsprenglinge nicht gross und nicht dicht gedrängt, so dass die Grundmasse vor denselben vorwaltet. Olivin wurde bislang nicht beobachtet und spielt keinenfalls eine be- achtenswerthe Rolle; wenn Rosenbusch’s vortreffliches Buch über die Massengesteine1) einzelne, dein Vorkommen nach wohl nur in die Mittelzone gehörige Gesteine auf Grund eines Olivingehalts zu seinen basisreichen Melaphyren stellt, wie z. B. ein Gestein zwischen Körborn und Baumholder, so führen gerade dann seine scharfen Diagnosen sonstige Eigenschaften an, die viel besser zum porphyritischen Gesteinscharakter passen, so die »ungewöhnlich gut krystallinisch ausgebildeten Augite« und den »sehr sicher nach- weisbaren Orthoklas« neben dem herrschenden Plagioklas; auch ist anderweitig, wie bei den Gesteinen von Eckersweiler und Bersch- weiler, geradezu von »Annäherung« oder »Uebergang« zum »Diabasporphyrit« die Rede, unter welchem Namen eine Anzahl recht charakteristischer Vorkommen aus der Mittelzone beschrieben sind, darunter das Weiselberg-Gestein und verwandte als »Diabas- pechstein«.

Der Berichterstatter hat gegenüber dieser Nomenclatur bereits an anderer Stelle (Zeitschr. d. Deutsch, geol. Ges. 1883. Februar- sitzung S. 211 ff.) seine Auffassung entwickelt, die einen Begriff Aug it-P orphyrit als Vorläufer des Augit- Andesits ver- langt, beide Gesteinstypen jedoch nicht als Aequivalente des olivin- freien Diabas, Norit 2) und Gabbro, sondern des Augit-, (bezw.

!) S. 399 und 400.

2) Wenn J. Petersen in seinen lehrreichen Untersuchungen über den Enstatit- porphyrit aus den Cheviot-Idills (Kiel 1884) schlechthin den »Norit (im Sinne Rosenbusch’ s)« als Aequivalent des Enstatitporphyrits auffasst und den ganz eng mit Quarzdiorit verbundenen »Norit vom Yildarthal« mit 59,97 pCt. SiOa nach

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Bronzit.-) Quarzdiorits 1). Er zählt also die Gesteine der Mittelzone zum Augit-Porphyrit. Die seither ganz allgemein gemachte Erfahrung, dass nicht nur, wie Foüquje gezeigt, in dem Augit-Andesit der Santorin-Lava, sondern in den Augit-Andesiten zahlreicher Hauptverbreitungsgebiete vulkanischer Eruptivgesteine (Ungarn, Californien u. s. w.) ein rhombischer Augit (Hypersthen oder Bronzit) neben dem monoklinen, öfters ebenfalls pleochroiti- sclien Augite (Malakolith u. s. w.) vorkommt, findet sonach in den Porphyriten der Mittelzone ihre vollständige Parallele, wozu die nach den Begehungen im Sommer 1883 kürzlich bekannt gewor- denen Untersuchungen von Teall und Jon. Petersen über die Cheviot -Porphyrite und deren Aequivalenz 2) mit einem Hand- stücke vom Steinernen Mann bereits eine Bestätigung bringen. Auf eine kartographische Trennung solcher Gesteine, in welchen die rhombischen Augite vor den monoklinen vorherrschen, von solchen, in denen das umgekehrte Verhältniss statthat, wird man indessen verzichten müssen.

Teller und v. John als Beispiel citirt, so hat er seihst das, meiner Erinnerung nach übrigens bereits von Teall ganz richtig gewürdigte, Unzureichende seines Vergleichs dargethan, denn alle diese quarzhaltigen südtyrolischen Gesteine sind keine Norite (Rosenb.).

Vergl. auch dieses Jahrbuch, Jahrgang 1882, S. XX.

2) Diese Aequivalenz darf um so mehr geltend gemacht werden, als beide Vorkommen, das schottische und das aus dem Westrich, mesoplutonischen Alters sind, obwohl ersteres zur Devonzeit, letzteres zur Zeit des Rothliegenden sich ergossen hat. Denn, wenn ich mehrfach die mesoplutonische Eruptionsaera als postculmiseh und antetertiär bezeichnet habe, so gilt diese Zeitschranke selbst- verständlich nur für die in Deutschland herrschenden Verhältnisse. Im Ver- breitungsgebiet des Old Red in Schottland beginnt das Elotzgebirge im älteren tectonischen, nicht im neueren paläontologischen, Sinne mit dieser Formation, als der ersten, die nach der grossartigen , von cler Protusion des Granits begleiteten Faltung und Metamorphosirung der sibirischen Schichten des schottischen Hoch- lands zum Absatz gelangt ist. Eine absolute Zeitschranke werden wir auch nicht für die neoplutonische (vulkanische) Eruptivaera geltend machen dürfen, die wir gewöhnlich mit der Tertiärzeit beginnen lassen. Dagegen streiten entschieden die bald der Kreidezeit, bald dem Tertiär angehörigen deckenförmigen »Diabase, Serpentine und Gabbro’s« in Süd- und Südosteuropa, namentlich aber die ausser- ordentlich mächtigen und viele Tausend Meilen weiten Basaltergüsse der Kreide- formation Ostindiens (Deccan- traps).

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Die Ivie sei säur eprocente der Gesteine schwanken nach 9 Analysen zwischen 60,09 nnd 54,61 pCt. ; letzteren Werth gab E. E. Sciimid für den Pechstein aus der Gegend von Mambächel an; alle anderen Werthe liegen über 56 pCt. , die Mehrzahl dar- unter über 58. Die stets über die Einsprenglinge vorherrschende Grundmasse ist danach beträchtlich saurer, als die porphyrisch daraus ausgeschiedenen Labradore von 52,03 bis 53,41 pCt. Kiesel- säuregehalt. Mit dieser sauren Grundmassenbeschaffenheit stimmt die Mikrostrnktur wohl überein; dieselbe erweist sich bald mosaikartig und dann, bei stets vorherrschendem Feldspath- pflaster, oft deutlich quarzhaltig, bald mehr unbestimmt fleckig und zum Theil mikrofelsitisch , ähnlich der der Quarzporphyre; bald ist der vorwaltende Feldspathgehalt in leistenförmigen Mikro- lithen ausgeschieden , sei es in dichtem , echt porphyritischem, quarz-, glas- oder basisgetränktem Mikrolithenfilze , sei es nur locker eingestreut in eine mehr oder weniger überwiegende, glo- bulitisch gekörnelte oder trichitisch getrübte oder auch in beiden Erstarrungsweisen ausgebildete bräunliche oder grauliche Glas- basis. Letztere Ausbildungsweise waltet bei der Pechstein- Varietät vor, die sich keineswegs auf den, übrigens als Ero- sionsrest über oder als Intrusivmasse in den Lebacher Schichten vom Grenzlager räumlich getrennten, Weiselberg beschränkt, son- dern recht häufig in der Mittelzone vorkommt, so zu Niederbrom- bach im Dorfe selbst1), um Kronweiler, Mambächel, Frohnhausen, Eckersweiler, zwischen Nohen und Hoppstaedten, Riemsberg und Schmisberg, auf der Platt bei Aulenbach u. s. w. An letztge- nannter Stelle zeigt der Pechstein eine ganz ausgezeichnete Kugel - struktur, indem sich etwa haselnussgrosse Ballen von etwas stärker entglaster Masse dichtgedrängt in der als Bindemasse dienenden Pechsteinmasse ausgeschieden haben. Ebenso lehrreich ist eine varioli tische Abänderung, die neben dem Pechstein von Niederbrombach ansteht und überdies noch durch das Vor- kommen jenes roth- und gelbdurchsichtigen Epidots (Withamits)

x) Das Himmelsköpfchen bei Niederbrombach verhalt sieh dagegen räumlich dem